PfleBeO – Pflegeeinrichtungen als bewegungsfreundliche Organisationen

Bewegung ist weit mehr als körperliche Aktivität. Sie entsteht dort, wo Menschen sich sicher fühlen, gut zusammenarbeiten und ihre Aufgaben sinnvoll gestalten können. Genau hier setzt PfleBeO – Pflegeeinrichtungen als bewegungsfreundliche Organisationen an.

Was steckt hinter PfleBeO?

PfleBeO verfolgt das Ziel, Pflegeeinrichtungen ganzheitlich bewegungsfreundlich zu gestalten – für Bewohner ebenso wie für Mitarbeitende. Bewegung wird dabei nicht nur körperlich, sondern auch sozial, emotional und organisatorisch verstanden.

Bewegungsfreundliche Organisationen schaffen Rahmenbedingungen, in denen:

  • Mitarbeitende handlungsfähig, gesund und motiviert bleiben,
  • Zusammenarbeit wertschätzend und klar organisiert ist,
  • Bewohner zu Aktivität, Teilhabe und Selbstwirksamkeit ermutigt werden,
  • insbesondere auch Menschen mit Demenz oder hohem Pflegebedarf erreicht werden.

PfleBeO verbindet damit Gesundheitsförderung, Organisationsentwicklung und Pflegequalität zu einem gemeinsamen Ansatz.

Umsetzung im Seniorenwerk Sonnenhof in Ilfeld

Im Seniorenpflegeheim Sonnenhof in Ilfeld wurde das PfleBeO-Projekt im Dezember 2025 erfolgreich abgeschlossen. Das Projekt wurde vollständig gefördert durch den Verband der Privaten Krankenversicherung und fachlich begleitet von Kerstin Triftshäuser (PfleBeO-Prozessbegleiterin).

Bewegungsfreundlichkeit entsteht nicht allein durch Angebote für Bewohner, sondern vor allem dort, wo Teams gut zusammenarbeiten, sich austauschen und gemeinsam Verantwortung übernehmen“, erklärt Kerstin Triftshäuser von g² Organisationsentwicklung. „Genau diese Verbindung aus Organisationsentwicklung, Teamarbeit und Alltagsgestaltung macht PfleBeO so wirksam.“

Über das gesamte Jahr 2025 hinweg begleiteten regelmäßige Workshops den Entwicklungsprozess. Besonderheit des Projekts:
Beide Bereiche des Hauses – der klassische Bereich und der Demenzbereich – nahmen parallel teil, jeweils mit einem eigenen inhaltlichen Schwerpunkt.

Klassischer Bereich: Zusammenarbeit als Grundlage für Bewegung

Im klassischen Wohnbereich stand der Gestaltungsbereich „Erfreuliche Beziehungen“ im Mittelpunkt. Die Projektgruppe setzte sich intensiv mit der Zusammenarbeit innerhalb der Wohnbereiche sowie mit der Kommunikation zwischen Pflege, Betreuung und Küche auseinander. Ziel war es, Abläufe konstruktiver, klarer und wertschätzender zu gestalten. Ein besonderer Fokus lag auf der Informationsweitergabe zwischen den Bereichen, um Missverständnisse zu reduzieren und Arbeitsprozesse zu entlasten.

Darüber hinaus rückte die Teamarbeit stärker in den Vordergrund. In mehreren Wohnbereichen fanden spezielle Teamtage statt, bei denen die Zusammenarbeit reflektiert und weiterentwickelt wurde. Diese Tage kombinierten gezielte Teamcoachings mit gemeinsamen Aktivitäten, die von den Teams selbst gestaltet wurden. Ziel war es, interne Themen offen anzusprechen, Vertrauen zu stärken und den Zusammenhalt im Arbeitsalltag nachhaltig zu fördern. Die Erfahrungen zeigen: Wenn Zusammenarbeit gelingt, sinkt der Stress im Arbeitsalltag deutlich. Dadurch entstehen Freiräume, die den Bewohnern direkt zugutekommen.

„Wenn wir im Team gut abgestimmt sind, bleibt viel mehr Raum für die schönen Momente mit den Bewohnern. Genau das gibt unserem Beruf Sinn.“
(Stefanie Wienrich, Pflegedienstleitung Sonnenhof Ilfeld)

Diese neu gewonnenen Freiräume ermöglichen es den Mitarbeitenden, sich stärker auf das zu konzentrieren, was ihnen besonders am Herzen liegt:
Bewohner zu Bewegung zu ermutigen, ihre Gesundheit zu fördern und Beziehungen lebendig zu gestalten.

Demenzbereich: Individuelle Zugänge statt Gruppenangebote

Im Demenzbereich lag der Schwerpunkt auf Bewohnern mit fortgeschrittener Demenz oder erhöhtem Pflegebedarf, die durch klassische Gruppenangebote kaum erreicht werden. Die Projektgruppe entwickelte für Bewohner individuelle, personen-zentrierte Beschäftigungsangebote. Dazu gehörten unter anderem:

  • persönliche Filme oder Bilder aus der Biographie
  • individuell abgestimmte Sinnes- und Aktivierungsangebote,
  • gezielte Einzelbegleitungen.

„Ein besonderer Erfolg ist, dass wir jetzt unseren Bewohnern in den Zimmern ganz individuelle Filme oder Bilder aus der Biographie zeigen können.“
(Sophia Westphal, Pflegedienstleitung Demenzbereich Sonnenhof Ilfeld )

Während der Angebote richteten die Mitarbeitenden ihre Aufmerksamkeit gezielt auf die Beobachtung der Reaktionen der Bewohner. Die Erfahrungen waren eindeutig: Auch Menschen, die zunächst schwer erreichbar erscheinen, lassen sich durch individuell abgestimmte Aktivitäten berühren, aktivieren und emotional erreichen.

Veränderungen auf Organisationsebene

Neben den praktischen Erfahrungen mit den Bewohner setzte sich das Team auch mit strukturellen Fragen auseinander:

  • Materialien für Einzelangebote wurden angeschafft,
  • neue Kooperationen aufgebaut,
  • die interne Besprechungskultur angepasst,
  • Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Team gezielt gestärkt.

So wurde Bewegungsfreundlichkeit nicht nur im Alltag erlebbar, sondern dauerhaft in der Organisation verankert.

Fazit

Das PfleBeO-Projekt im Sonnenhof Ilfeld zeigt eindrucksvoll: Bewegungsfreundliche Organisationen entstehen dort, wo Zusammenarbeit gelingt, Strukturen unterstützen und Menschen individuell gesehen werden.

Davon profitieren alle – Mitarbeitende wie Bewohner. PfleBeO ist damit kein zusätzliches Angebot, sondern ein zukunftsweisender Ansatz für gute Pflege.

Weitere Informationen zu PfleBeO und zum Projekt im Sonnenhof auch hier.

Hier geht es zu unseren Umsetzungsprojekten:

Sonnenhof
Seniorenpflegeheim
Obertor 7a
99768 Harztor OT Ilfeld

Ihre Ansprechpartnerin
Kerstin Jülich
Einrichtungsleitung
Tel.: 036331 49010
Fax: 036331 490229
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